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Verleihung des Innovationspreises Lehre an Dr. Anne Liefländer

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Im Interview berichtet Frau Liefländer über Hintergründe und den Entstehungsprozess des innovativen Lehrkonzeptes und gibt einen Einblick in ihre Arbeit im Kooperationsprojekt FACE.

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Mit dem Innovationspreis Lehre würdigt die Studierendenvertretung der Universität Freiburg Projekte, die universitätsweite Anreize zur Innovation und Verbesserung von Studium und Lehre schaffen. Die FACE-Projektmitarbeiterin Dr. Anne Liefländer überzeugte den StuRa mit der Konzeption einer neuen, professionsorientierten und innovativen Lehrveranstaltung „Biologie des Menschen“. Die offizielle Preisverleihung fand am 13. Juni, 19 Uhr, beim Dies Universitatis statt. 

Was verstehen Sie unter Innovation in der Lehre und warum ist diese besonders in der Ausbildung von Lehrerinnen und Lehrern so wichtig?

Innovation bedeutet für mich einen Schritt weg zu gehen von der althergebrachten Frontal-Vorlesung oder von langweiligen Referaten, bei denen niemand zuhört. Man kann Lehrveranstaltungen wesentlich spannender gestalten und viel abwechslungsreicher lehren und lernen. Hinter der Nutzung von Variation steckt auch ein positiver Nebeneffekt: Es wird möglich, dass Studierende sich verschiedenste Kompetenzen aneignen, die über die Rezeption und Aufarbeitung von Literatur hinausgehen. Das finde ich extrem wichtig, vor allem für künftige Lehrerinnen und Lehrer. Sie müssen quasi ein Tausendsassa sein. Sie müssen den Umgang mit schwierigen Personen und Situationen lernen, benötigen Fachwissen aus zwei Fächern, didaktische und pädagogische Fähigkeiten, um Fachwissen zu vermitteln, ein sehr hohes Maß an Selbstorganisation und Planungskompetenz und vieles mehr. Warum sollte man das nicht durch Lehrveranstaltungen auch schon während des Studiums fördern? Daher versuchen wir durch unser eigenes Vorgehen, durch die Methoden, die wir anwenden, den Studierenden „vorzuleben“, wie man unterrichten kann, denn wir haben natürlich auch eine Vorbildfunktion im Lehren.

Was ist das Besondere oder Innovative an der Lehrveranstaltung „Biologie des Menschen“?

Bei der neuen Veranstaltung handelt es sich um einen Flipped Classroom auf Basis von ILIAS, unserem Learning Management System. Flipped heißt umgekehrt. Normalerweise geht man in die Vorlesung und bereitet dann nach. Beim Flipped Classroom bereitet man Lernmaterial vor, also man lernt daheim oder wo auch immer man möchte. Auf ILIAS finden die Studierenden sämtliches Lernmaterial. Es gibt vertonte PowerPoint, interaktive Videos oder Lernmodule mit einer Kombination aus Text und Bild. Es ist sehr interaktiv. Wir stellen auch Selbsttests zur Verfügung, damit die Studierenden nachprüfen können, ob sie das Wichtigste verstanden haben. Nach der Selbstlernphase kommen die Studierenden dann zu uns in eine sehr interaktive Präsenzphase. Dort beantworten die Lehrenden Verständnisfragen oder vertiefende Fragen, die die Studierenden beim Lernen auf ILIAS posten. In der Präsenzphase erhalten die Studierenden auch Aufgaben, um das Gelernte anzuwenden und zu vertiefen. Oft werden dabei Modelle oder andere anschauliche Methoden angewandt.

Die Prüfungsform, das E-Portfolio, ist auch sehr neu und interessant ausgestaltet. Ein E-Portfolio ist eine digitale Sammelmappe, in welche Produkte oder Prozessbeschreibungen, Reflexionen oder Aufgaben eingelegt werden können. Dabei könne neben Texten z.B. auch Audio- und Videoelemente oder Graphiken integriert werden. Unser Portfolio ist ein Produktportfolio, das auf Aufgaben basiert. Ein schönes Aufgabenbeispiel stammt beispielsweise aus der Einheit „Ernährung und Verdauung“: Die Studierenden sollen über drei Tage ihre eigene Ernährung protokollieren, analysieren und reflektieren, inwiefern ihre Ernährung einer „gesunden Ernährung“ entspricht.

Welchen Mehrwert hat die Veranstaltung für die Studierenden und deren Lernprozess?

dsc02549_beab3-450x303.jpgDer Mehrwert für die Studierenden ist, dass sie selbstgesteuert, zeitunabhängig und ortsunabhängig sich das Wissen aneignen können in ihrer eigenen Geschwindigkeit. Wir haben versucht, höchstmögliche Flexibilität für die Studierenden hineinzubringen. In jeder Einheit können sie aus drei Portfolioaufgaben jene auswählen, die sie am spannendsten finden. Wir haben auch fakultative Deadlines, zu denen sie das Portfolio abgeben können und dann schriftliches Feedback bekommen, und eine obligatorische Deadline, zu der man abgeben muss, aber dann nur noch die Note bekommt.

In den Präsenzphasen können die Studierenden ganz viel mit den Kommiliton*innen interagieren, was zum Lernen motiviert, und bekommen natürlich ihre Verständnisfragen beantwortet. Normalerweise ist es ja so, dass man in einer Veranstaltung z.B. auf die Klausur lernt. Während des Lernens tauchen dann die ganzen Verständnisfragen auf und es ist niemand mehr ansprechbar, der sie einem beantwortet. Und im Flipped Classroom lernst Du semesterbegleitend und stellst dann deine Verständnisfragen. Die Studierenden finden es super und zeigen hohe Motivation, wenn direkt auf ihre eigenen Fragen eingegangen wird. Das Schöne an den Fragen der Studierenden ist auch der oft sehr hohe Alltagsbezug. Studierende lernen in der Präsenz daher beispielsweise auch, wie sie schnell verlässliche Antworten auf Fragen aus dem Alltag finden können. Das ist für den späteren Schulalltag eine wichtige Kompetenz.

Welche Bedeutung hat der Innovationspreis für Sie?

Ich habe mich so richtig über den Preis gefreut. Es ist ein gutes Gefühl, dass jemand wahrnimmt, dass hier etwas Spannendes entstanden ist. Ich freue mich auch darauf, mit den anderen Preisträger*innen am Dies Universitatis in Kontakt zu treten.

Die finanzielle Unterstützung, die hinter dem Preis steckt, ist für das Projekt essentiell. Wenn man mit ILIAS arbeitet, eine neue Kursstruktur entwickelt, Tests baut usw. ist das extrem viel Arbeit. Die Hiwis, die ich durch die Förderung anstellen kann, sind da sozusagen die Stützpfeiler. Die Hiwis braucht man einfach. Ohne sie kann dieses aufwendige Konzept nicht innerhalb eines Semesters umgesetzt werden. Deshalb an dieser Stelle ein großes und sehr herzliches Dankeschön an die fleißigen Helferinnen und Helfer!

Neben den Hiwis braucht man auch die Ausstattung. Für die Aktivierung aller Studierenden lassen wie sie in Kleingruppen arbeiten. Daher brauchen wir z.B. Modelle nicht einmal, sondern 3 bis 4 Mal. Wenn du ein Bild hast, das ist 2D. Du kannst es dir nicht richtig vorstellen, wie z.B. die weiblichen Geschlechtsorgane im Becken angeordnet sind und wie sie in 3D aussehen. Deshalb ist der Einsatz von Modellen so extrem wichtig. Aber gute Modelle sind richtig teuer. Deshalb wäre der Kurs ohne das Geld so nicht möglich.

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Woher schöpfen Sie die Inspiration für innovative Lehre?

Ich gehe viel zu Fortbildungen des Hochschuldidaktikzentrums (HDZ) und ziehe daraus dann sozusagen kleine Puzzleteile, die ich für die Veranstaltungen verwende, um sie noch besser, noch motivierender, noch spannender und vor allem lernförderlicher zu machen. Zum Beispiel war ich in der Lehrwerkstatt Lehrerbildung mit Christiane Klein zum 4C/ID-Modell, einem Instruktionsdesign, welches auf professionsrelevanten Lernaufgaben basiert. Der Austausch mit Kolleginnen und Kollegen ist allgemein sehr wichtig für mich. Man kommt auf neue Ideen und inspiriert sich gegenseitig. Sich Zeit zu nehmen, um über die eigenen Lehrveranstaltungen nachzudenken, finde ich essentiell. Was im Rahmen des Projekts, für den ich den Innovationspreis bekomme, auch extrem wichtig war, waren die E-Learning-Veranstaltungen am Rechenzentrum. Sie haben die Grundlage gelegt. Ich hatte vorher noch nicht mit ILIAS gearbeitet und habe sofort nach meinem Stellenantritt im November 2015 angefangen, mich einzuarbeiten. Also, ein Dank an das HDZ und das Rechenzentrum – ohne ihre Unterstützung wäre die Veranstaltung nicht so gut geworden.

Mehr Informationen über Dr. Anne Liefländer und ihre Arbeit im FACE

Ich habe an der Universität Bayreuth in der Biologiedidaktik promoviert und im Laufe meiner Promotion und des Postdoktorats bemerkt, dass mir die Lehre wichtig ist und außerordentlich viel Spaß macht. Lehrkonzeption allgemein macht mir unglaublich Spaß. Daher habe ich von Anfang an auch hochschuldidaktische Fortbildungen besucht. Als ich die Ausschreibung für die Lehrentwicklung für den Master of Education Biologie gelesen habe, war mir klar, dass diese Aufgabe wie auf mich zugeschnitten ist. Das war das, was ich machen wollte und immer noch machen will. Es war also die richtige Entscheidung, die Lehre für das Lehramt zu unterstützen, der Lehre mehr Gewicht zu geben.

Ich finde es wichtig, dass man den Studierenden unterschiedliche Herangehensweisen ans Lernen ermöglicht. Außerdem ist mir persönlich wichtig, dass ich empirisch fundierte und nachgewiesen lernförderliche und motivierende Lehr-/Lernkonzepte einsetze. Ich möchte auch die Lust und die Freude am Lernen fördern. In der Lehrerinnen- und Lehrerausbildung geht es ja nicht darum, dass wir gute Biologinnen und Biologen ausbilden, sondern gute Biologie-Lehrerinnen und -Lehrer und die brauchen auch andere Kompetenzen als gute Biologinnen und Biologen. Eine wichtige Aufgabe sehe ich auch darin, dass wir Lehrenden an der Uni, eine Vorbildfunktion in Bezug auf das Lehren einnehmen, ganz besonders in den Lehramtsstudiengängen.

Ich find es sehr schön, was entstanden ist in der Kooperation mit der PH und das die Fakultät hier an der Universität wirklich bereit war, rein professionsorientierte Veranstaltungen, also zugeschnitten auf die Lehramtsausbildung durch mich konzipieren zu lassen. Darauf bin ich stolz. Von den Studierenden kommen auch viele positive, wertschätzende Rückmeldungen. Sie sind glücklich, wenn Veranstaltungen spezifisch für Lehrämtler angeboten werden. Ich habe in meiner Anfangszeit an der Fakultät für Biologie eine Interviewstudie zu Qualitätskriterien im Studium gemacht und die interviewten Lehramtsstudierenden sagen, sie wollen wahrgenommen und wertgeschätzt werden. Professionsorientierte Lehrveranstaltungen sind dann natürlich perfekt. Ich bin auch sehr dankbar, dass mich meine Kolleginnen und Kollegen vollkommen unterstützen. Das Schöne ist eben, wenn man mit Lehrenden zusammenarbeiten kann, die begeisterungsfähig sind und sich darauf einlassen, etwas Neues in der Lehre auszuprobieren und gerne mit den Studierenden in Kontakt treten wollen. Ja, das macht Spaß. Es tut gut, mit Kolleg*innen zusammen zu arbeiten, die verstanden haben, wie wichtig die Lehrer*innenbildung ist – schließlich werden sie unsere künftigen Studierenden ausbilden.

Als ersten Schritt habe ich eine Bedarfsanalyse nach der Addie-Methode durchgeführt. Dazu interviewte ich Studierende bezüglich ihrer Wahrnehmung und Gedanken zum Studium. Was fehlt Ihnen? Dann habe ich im zweiten Schritt analysiert, welche Inhalte im Bachelor abgedeckt sind, um dann abzugleichen, was im Master nicht fehlen darf. Als Vorlage dienen dabei immer die Rahmenverordnung und die aktuellen Bildungspläne zur Biologie. Auf diese Weise habe ich herauskristallisiert, welche Themen wirklich essentiell wichtig sind. Hierzu gehört auch die Humanbiologie. Im dritten Schritt habe ich ein Strukturteam gebildet, u.a. mit Kolleginnen und Kollegen aus der Fakultät, mit Fachdidaktiker*innen von der PH und mit Lehrerinnen und Lehrern, unter anderem auch eine vom staatlichen Seminar. Im Team haben wir dann festgelegt, welche Lehrveranstaltungen bzw. Module wir brauchen und was sie inhaltlich grob abdecken sollen. Im letzten Schritt habe ich Modulteams gegründet. Neben den bereits erwähnten Teilnehmenden habe ich dann noch in der Fachschaft angefragt, wer Interesse hätte, sich zu engagieren und den Input von Studierendenseite zu liefern. Das ist extrem wertvoll, um den Blickwinkel zu erweitern. In den Modulteams haben wir gemeinsam überlegt: Was brauchen wir inhaltlich? Wer kommt als Lehrperson für welches Thema in Frage? Was für ein methodisch-didaktisches Konzept wollen wir haben? Ich habe den Flipped Classroom vorgeschlagen, da er mir sehr passend erschien, auch in Bezug auf die Aufteilung der Themen auf verschiedene Lehrpersonen. Als wir überlegt haben, wie die Umsetzung genau aussehen könnte, war ziemlich schnell klar, wir nehmen ILIAS, um das Material zur Verfügung zu stellen. Dann habe ich an meinem Schreibtisch ganz viel konzipiert und strukturiert. In regelmäßigenSitzungen habe ich jeweils meine neuen Ideen vorgestellt und dann haben wir darüber diskutiert. So ist das dann entstanden. Bei den anderen Lehrprojekten für den Master of Education Biologie läuft es genauso ab.

Ja, ich konzipiere mehrere Veranstaltungen in der Biologie und die sind auch komplett neu. Die Veranstaltung „Biologie des Menschen“, für ich den Innovationspreis bekomme, gehört zu einem Modul, welches noch eine zweite fachdidaktische Veranstaltung enthält. Die wird von unseren Kolleg*innen an der PH durchgeführt. Es gibt daneben noch zwei weitere Module. Das eine Modul heißt „Biodiversität und Nachhaltigkeit“. Es gibt darin zwei fachwissenschaftliche Veranstaltungen. In der einen, „Freilandökologie“, konzipieren die Studierenden selbstständig eine Exkursion zu einem schulnahen bzw. stadtnahen Lebensraum und lernen sozusagen die Natur vor der Haustür kennen. Die Studierenden stellen in Kleingruppen eine Exkursion digital als Wiki zusammen, und üben so das selbstbestimmte und selbstständige Arbeiten an einem Projekt. Die Gruppen testen am Ende gegenseitig ihre Exkursionen und nach dem Kurs wollen die Studierenden mit Schulklassen die Exkursion durchführen. Hier stelle ich lediglich die Kontakte her. Das hat echt super funktioniert, die Studierenden waren so intrinsisch motiviert. Die andere Veranstaltung in dem Modul heißt „Ökologische Perspektiven einer nachhaltigen Entwicklung“. Es ist eine referatsbasierte Veranstaltung. Als ich die Studierenden zu Beginn meiner Arbeit interviewt hatte, wurde unter anderem gesagt: „Ja, in der Biologie müssen wir nie richtige Referate halten“. Die Referate in dieser Lehrveranstaltung basieren auf den „First Principles of Instruction“ (Merrill, 2002). Diese Prinzipien habe ich mir in der 2. Lehrwerkstatt Lehrerbildung angeeignet. Und zwar geht es darum, dass die Referate oder Vorträge aktivierend sind und das Publikum aktiv einbeziehen, z.B. durch Anknüpfen an das gemeinsame Vorwissen oder durch Aufgaben, die dann vom Plenum bearbeitet werden. Die Vortragenden regen die anderen Studierenden zum Denken, zum Reflektieren und Handeln an. Das andere Modul heißt „Biotechnologie und Molekularbiologie“. Da sind wir gerade noch in der Konzeptionsphase und suchen die Lehrenden, die dort etwas beitragen können. Wahrscheinlich wird es auch sehr praktisch werden. Dieses Modul wollen wir mit einem ethischen Diskussionsforum abschließen, weil es extrem wichtig ist, dass sich die Studierenden auch mit gesellschaftsrelevanten Themen auseinandersetzen und mitreden können. Sie sind später in der Schule ja auch Vorbilder und sollen Schüler*innen zur Diskussion anregen.

 

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